Impressionen
Ode an den Lehrling


Ode an den Lehrling (Lehrling ist Geschlechter übergreifend zu verstehen!)

Spür das Feuer, trag die Flamme,
brenne, Lehrling, lichterloh!
Für die Eine, Wahre, Gute,
Landwirtschaft, frag Dich mal wieso!

Motivier Dich, Lamentier nich,
Seminier Dich, Konzentrier Dich!
Sieh die Rinder, wie sie flitzen,
renne Lehrling, bleib nicht sitzen!

Geh was hacken, geh was schwaden,
Schrubb den Käse, ernte fürn Laden!
Mach den Kaffee, back den Kuchen,
Pflanz den Kürbis, geh ihn suchen!

Schreib Berichtsheft, jäte Blumen,
Koch was Feines, feg die Krumen!
Steck den Zaun, nimm die Rüttelplatte,
Kannste mal was baun, verasch lieber die Ratte!

Komma Misten, die Praktikanten sollen mit,
sei jetzt tapfer, komm nicht aus dem Tritt!
Steh ich morgens, guck ich Sterne,
und der Lehrling, der schläft gerne,…länger,
läd die Ballen höher, schwerer noch den Hänger!
Ach Du Lehrling, ach Du Toller,
ohne Dich wär mein Tag noch voller!

Willst Du`s wirklich, frag Dich ernsthaft,
Arbeite von Herzen, voller Schaffenskraft,
Pfleg die Erde, mach es schlauer,
Halte Pferde und werd ein richtig guter Bauer!

DANKE Euch Freien Auszubildenden!

Yvonne Bergmann , Schepershof – Dezember 2014


Funkenflug-Neues in der Welt entzünden - Oktobertagung 2014

Menschen machen zusammen ein Feuer, wer fand den Funken, der das Holz entzündete? Ganz egal wer! Wir zusammen... und das Feuer brennt und leuchtet und wärmt...
Menschen schauen stundenlang ins Feuer, beobachten die Flammen und die Glut, reden, singen, schweigen... irgendwann geht das zusammen- am- Feuer- sein zu Ende, jede geht nach Hause. wie schön wäre es, wenn jeder einen glühenden Holzscheit oder Funken mitnähme, die wärme den Daheimgebliebenen mitbrächte, oder einen kleinen Funken überspringen ließe?
Tragen wir die Funken unserer Begeisterung in die Welt hinein!


Nun ist das Lagerfeuer unserer Tagung aufgebaut. die Holzscheite stehen da, die Workshops, Referenten, Vorträge, das Programm, Menschen haben sich angemeldet, Ideen kursieren, das Küchenteam schwingt schon die Löffel, alles ist gut vorbereitet! Chaotische Ordnung- creatives Chaos. Jetzt fehlen die Funken, die unsere Tagung zum Leuchten bringen werden.
Ich freue mich und bin gespannt auf die Menschenfunken, die heute antanzen werden und das Oktobertagungsfeuer zum Leben erwecken!!!

Jetzt brennt das Feuer! So um die 300 Menschen haben sich in Bingenheim versammelt. Wir sind zu Gast in den "heiligen Hallen" der Lebensgemeinschaft, Schule und Saatzucht. Der Ort stellt sich als sehr gemütlich, verwunschen, einladend heraus... Jeden Morgen gibt es eine Saatgutführung und eine Gruppe von Neugierigen erkundet das Gelände, ausserdem wird gesungen und die Gemeinschaftszeit dient dem Kennenlernen, dem Austausch und dem Durchmischeln. Denn aus allen Ecken sind die Leute angereist: Süd, Nord, Ost, West. Sogar aus der Schweiz und aus Österreich kamen zwei Grüppchen, die über den Tellerrand schauen wollten. Lasst uns auch mal über den Tellerrand schauen und andere freie Ausbildungen in anderen Ländern besuchen!


Die Workshops waren sehr vielfältig: Der Lehmbauworkshop brannte in tatkräftiger Farbe, das Singen knisterte musikalisch, der Forstworkshop brauste in den Bäumen, Präperateleute versammelten sich im Kerzenschein, die Pflanzengeister huschten durch den Efeu, die Flammen des Impro-Tanzes summen mit den Bienen durch die Luft. Die Gemeinwohlökonomie, die Nyéléni-Leute, die Permakultur- und Bio-dynamisch-Menschen, die Nicht-kommerzielle Landwirtschaft, die Pflanzensoziologen, die CSA, die drei Fragezeichen und die elegant-entspannten Yogis, sie alle ernährten das Feuer der Tagung. Und über den züngelnden Flammen des Küchenherdes köchelten die duftenden Speisen der vielen Köche.

An allen Abenden gab es besonders schön leuchtende Glutperlen:
Manfred Schulze leitete die Tagung ein mit einer enthusiastisch-übergreifenden Ode an die Landwirtschaft. Es folgten Vorträge zu den Themen "Den Boden beleben" von Stefan Bidner und "Wer ist die Pflanze?" von Florianne Koechlin. Ein Abend wurde erhellt von einem mongolisch-persischen Ensemble welches die Tanzbegeisterten in Pferde verwandelte, die durch die Steppenweiten galoppierten. Eine spontan zusammengefundene Band liess an einem anderen Abend den ganzen Saal in ausgelassenen "Bal- Folk"- Kreisen hüpfen und schwitzen. Am Feuer wurde gesungen, getrommelt und es gab brennende Poi-Wirbel...


Lässt sich ein solch schillernd-funkelndes, mal glimmendes, mal loderndes Tagungsfeuer denn in Worte fassen? Ist sie nicht vor allem: Begegnung und Bewegung, Wiedersehensfreude, Austausch- ohne und mit Worten???
Wir von der Orga waren getragen, von dem Gefühl, dass alles rollt, das Rad sich dreht, wir zusammen mit vielen Händen das Feuer am Leben halten, es schüren mir unserer Energie.

An dieser Stelle möchte ich gerne Danke sagen, allen Menschen die gekommen sind, allen die uns Spenden schenkten, den Bingenheimern, die uns ihr Gemäuer anvertrauten und Gästezimmer, allen die mithalfen- einfach Danke!


Jetzt sind die Funken wieder in alle Himmelsrichtungen davongeflogen. Was wird nun geschehen? Werden sich nun viele neue kleine Feuer entzünden? Wird die Glut der Tagung an andere Orte getragen? Wie wirkt ein solch fantastisches Oktobertagungsfeuer? Wärst du gern dabeigewesen? Dann komme nächstes Jahr!!!

- Lena 3.Lj -


Was die Wissenschaft in der heutigen Zeit leisten kann ist, zu zeigen, dass ein einfaches, mechanistisches Verständnis die Welt nicht hinreichend erklärt. Sie kann sagen: "Es ist komplex." und "Wir wissen es nicht.", und dadurch ein Bewusstsein schaffen für das, was da noch ist.
Sie kann Wissen schaffen, aber keine Ideen hervorbringen und neue Gedankengänge gehen. Das ist unsere Aufgabe, die Aufgabe der Praktiker, und die Verbindung zwischen beiden zu schaffen ist die größte Herausforderung.
Der Vortrag von Stefan Bidner hat dem Rechnung getrgen, aber auch vor allem gezeit, dass man über manche Sachen (z.B. Boden) nicht reden kann - man muss raus gehen und ihn anschauen, anfassen.
---
Es war einfach schön mit so vielen Menschen zu singen und zu tanzen. Auch wenn ich müde war, habe ich doch auch viel Lebensenergie von den anderen bekommen. Für mich was es quasi ein Kulturschock, weil ich auf meinem Hof so alleine bin und hier einfach so viele spannende, witzige Menschen aufeinander treffen und dabei so friedlich miteinander umgehen.
Die Tagung hat mir ganz große Motivation für mein Leben gegeben.
---


"Arbeitend lernen - Lernend arbeiten"

Bericht vom Ausbildertag am 03.04.2014 auf dem Gärtnerhof Röllingsen in Soest

Zum Ausbildertag trafen sich auch dieses Jahr zahlreiche Ausbilder und auch Lehrlinge, um gemeinsam am Thema zu arbeiten: Arbeitend lernen, lernend arbeiten - wie schaffen es Ausbilder und Auszubildende trotz der großen Arbeitsanforderungen im Gespräch zu bleiben?

Maike Himstedt hat am Anfang eingeleitet und darauf hingewiesen, dass das Thema dieses Treffens eine Fortführung der beiden vorhergehenden Jahre darstelle. Vorletztes Jahr ging es um die eigene Motivation der Ausbilder für ihre Arbeit und die Ausbildung, letztes Jahr ging es um Lust und Frust der Auszubildenden mit dem Hof und der Arbeit. Das diesjährige Thema sollte diese Fragen ein wenig zusammenführen und die Wichtigkeit des Miteinanders im Gespräch deutlich machen.
Es gab nun einige Fallbeispiele aus der Praxis sowohl von Seiten der Ausbilder als auch von Seiten der Auszubildenden, die zeigten wie es im Alltag immer wieder zu Schwierigkeiten kommen kann.


Auch dieses Jahr hat Herr Michael Schmock im Anschluss daran moderiert und einige wesentliche Anregungen gegeben. Wir haben gemeinsam, auch in Kleingruppen, herausgearbeitet, wo die Probleme zwischen Ausbilder und Auszubildenden liegen können. Hier einige Beispiele
- unterschiedliche Lebenssituationen
- Beziehungsfrage
- Kommunikation auf Augenhöhe( Wo ist die Augenhöhe?)
- fehlendes Rollenbewusstsein
- unterschiedliche Erwartungen
- keine klaren Verabredungen
- non-verbale Kommunikation
- mangelnde Transparenz der Motive
- unterschiedliche persönliche Struktur
- eigene Bewertungen

Am Nachmittag gab es ein Impulsreferat von Michael Schmock. Er leitete mit der Biographie von Reinhold Meßner ein, der eine relativ angepasste Kindheit und Jugend erlebt hat. Durch verschiedene Begegnungen entdeckte er seine Liebe zum Bergsteigen. Michael Schmock zitierte wie Meßner Freude daran hatte, Grenzsituationen zu suchen und wie er lernte, sich und die Situation zu beobachten. Er betrachtete genau den neuen Berg, den er vor sich hatte und malte sich schon im Geiste die Linien, die er entlanggehen wollte.

Die Auszubildenden aber auch die Ausbilder haben sich mit dem Betrieb einen mehr oder weniger großen Berg ausgesucht und müssen nun die Linien suchen, die sie entlanggehen können und wollen. Wir haben auch wieder in Kleingruppen herausgearbeitet, worin die Lernchancen liegen, wo es Hilfen geben kann:
- Interesse entwickeln
- Raum schaffen für echte Begegnung
- Offene Argumentation
- Devote, offene Haltung dem anderen gegenüber
- Wertschätzung
- Am Bewusstsein arbeiten, an sich selber
- Meditation: innere Ruhe und Gelassenheit suchen
- Fachliches Wissen über die Funktionsweise von Kommunikation

Michael Schmock wies nochmal darauf hin, dass im 4. Jahrsiebt der Mensch den Menschen sucht. Es ist nicht mehr die Zeit, wo der Ausbilder erziehen sollte. Er kann Vorgaben machen, die betrieblich notwendig sind, aber nicht mit Sanktionen arbeiten. Es geht als Ausbilder darum, Wegbegleiter zu sein beim Bergsteigen, damit der Auszubildende seine Fähigkeiten entdeckt und seine eigene Lernaufgabe. Dabei kann es für den Auszubildenden auch wichtig sein, gleichaltrige Wegbegleiter zu finden.
„Lernen ist eine Kunst: es geht nicht darum, Programme zu erstellen sondern jeden Tag neu vom Leben zu lernen: lernend arbeiten, arbeitend lernen.“



Für den Initiativkreis, Elisabeth von Bonin, ehemalige Seminarleiterin


Abschluss & Begrüßung am 9. März 2014 in der Billerbeckschule in Witten

Wir Danken den Sponsoren:

Rapunzel
Lebensbaum
Völkel
Gebhardt
Bingenheimer Saatgut AG
Naturata
Dr. Hauschka
Bauckhof
Primavera Life
Demeter Landbauerzeugnisse
Neuhollandshof, Clostermann
Krämer
Haus Bollheim
Gärtnerhof Röllingsen
Memo
Weiling
Landwirtschaftsverlag









Oktobertagung - Bericht vom 3. Lehrjahr – Oktober 2013

Wie immer war es auch dieses Jahr Aufgabe der dritten Lehrjahre die Novembertagung (dieses Jahr „Oktobertagung&ldquo zu organisieren.

Die Vorbereitungen dafür begannen bereits vor einem Jahr auf der letzten Tagung in Fulda. Traditionell findet auf jeder Tagung die Übergabe der Organisatoren an das nachfolgende Lehrjahr statt. So hatten wir schon vor einem Jahr die Gelegenheit uns Gedanken über unsere Tagung zu machen.
Schnell waren wir uns alle einig, dass das zwischenmenschliche Miteinander und die soziale Situation auf den Höfen unser Thema sein soll. Für die meisten von uns ist diese soziale Situation in den Gemeinschaften der Höfe und der Umgang miteinander und mit uns selbst ein großes Thema, zu dem sich uns viele wichtige Fragen stellten.
Wie finde ich meinen Weg? - Wie kann ich meine Ideale eigentlich leben oder was sind überhaupt meine Ideale? - Wie finden wir so individuellen Menschen zueinander, auch über verschieden geartete Meinungen und Lebenseinstellungen hinaus? - Wie spreche ich mit meinen Mitmenschen?
Dies sind einige der Fragen, mit denen wir in die Planung einstiegen.

Nachdem das Thema stand und die ersten Gruppen begonnen hatten Spenden, Dozenten und einen geeigneten Ort für die Tagung zu finden (was gar nicht einfach war, da uns die eigentlich vorgesehene Schule sehr kurzfristig abgesagt hat), kam die nächste wichtige Planungsfrage auf: Wie genau soll unsere Tagung gestaltet werden?
Da als unser endgültiges Motto „Gemeinschaft Leben - Das Ich im Wir, Ideal und Realität auf den Höfen“ feststand, kam die Idee auf, nicht nur Vorträge zum Thema zu organisieren, sondern zu versuchen die Gemeinschaft auch wirklich auf der Tagung zu leben und einen Schwerpunkt auf das soziale Miteinander zu legen.
Das führte dazu, dass wir in der Programmplanung vom üblichen Tagesablauf abgewichen sind. Es gab nun neben den üblichen, zahlreichen Kursangeboten morgens und abends je eine Einheit „Gemeinschaft Leben“. Diesen, von zwei Dozenten geleiteten Blöcken, wurde der „U-Prozess“ zugrunde gelegt. Es wurden unter anderem Fragen zu gelungenen oder misslungenen Gemeinschaftssituationen ausgearbeitet.

Ich denke, dass es insgesamt eine Tagung war, auf der man viel von gut funktionierender Gemeinschaft spüren konnte.
Das jedenfalls haben wir von vielen Teilnehmern hören dürfen, die sich sehr wohl gefühlt haben. Und auch als einer der Lehrlinge des dritten Lehrjahrs kann ich aus Sicht der Organisatoren behaupten, dass es sehr viel Spaß gemacht hat. Ich hatte die Befürchtung, dass es sehr stressig werden könnte, aber das war absolut nicht der Fall. Zwar gab es immer etwas zu tun, aber Dank guter Aufteilung und Absprachen hatte jeder noch genügend freie Zeit um die Tagung auch noch genießen zu können und vielleicht doch noch am ein oder anderen Kurs teilzunehmen.
Am Ende ist wahrscheinlich jeder mit vielen neuen Fragen auf seinen Betrieb und in seine Gemeinschaft zurückgekehrt, aber auch mit vielen neuen Denkanstößen und Ideen.
Annika Roth, 3. Lehrjahr Freie Ausbildung Demeter NRW und Hessen


Seiten (7): 1 2 [3] 4 5 6 ...